Dienstag, 7. Juni 2011

Zollitsch tröstet und bestärkt Ordensobere

Zur Mitgliederversammlung der Deutschen Ordensobernkonferenz wurde Erzbischof Zollitsch gebeten, einen Vortrag zum "Ekklesiologischen Standort der Orden" zu halten. Ausgehend vom Zweiten Vaticanum, sprach Zollitsch über die nachkonziliaren Bemühungen zur Erneuerung des Ordenslebens, die Entwicklung der Ordenstheologie in Deutschland und über die Perspektiven für die Orden in der Kirche heute.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe "die Orden ins Zentrum, in die Herzmitte der Kirche geholt". Die theologische Hochschätzung und ekklesiologische Aufwertung des Ordenslebens sei jedoch auf ein Ordensleben gestoßen, das sich in der Zeit nach dem Konzil - ausgehend von den westlichen Ländern - sowohl gesellschaftlich wie kirchlich zunehmend marginalisiert sah. Wie es vor dem Konzil aussah läßt Zollitsch offen.

Unterstützung hätten die Orden vor allem durch die Würzburger Synode erfahren. Dem Synodenbeschluß sei es gelungen, die eigentliche Krise des Ordenslebens deutlicher zu fassen. Der Nachwuchsmangel, die Austritte, die Überalterung und Arbeitsüberlastung der Orden, seien, so die Synode, nur Symptome, deren eigentliche Ursache die zu groß gewordene "Kluft zwischen einer klösterlichen Eigenwelt und der neuzeitlichen Gesellschaft" sei.

Wenn man dieser Einschätzung folgt, kann man aus dem anhaltenden Nachwuchsmangel und der Überalterung wohl nur schließen: Die Kluft ist immer noch zu groß. Die Bemühungen, die "klösterliche Eigenwelt" an die "neuzeitliche Gesellschaft" anzuschließen, waren nicht ausreichend oder sind, wie Zollitsch zu bedenken gibt, ins Leere gelaufen, weil die "wirklich bewegende Sicht des Konzils" auf das Ordensleben nicht auch theologisch wahrgenommen und bedacht wurde:

"Denn wo hört ein Theologiestudent im Rahmen seiner Ekklesiologie-Vorlesung etwas über das Ordensleben? Oder wo erfährt die Theologiestudentin bei ihren pastoraltheologischen Studien etwas über die Kirche, die auch in den Orden lebt und wirkt? In den theologischen Standardwerken über die Kirche und ihre Pastoral tauchen die Orden auch 50 Jahre nach dem Konzil gar nicht oder höchstens in einer Anmerkung auf."

Zollitsch tröstet und bestärkt die anwesenden Ordensvertreter, nicht zu unterschätzen, was sie gerade durch das Zweite Vatikanum in der Kirche seien: eine "göttliche Gabe" an die Kirche, ein "prophetisches Zeichen" dafür, daß es in der Kirche einen Vorrang der Gnade vor der Leistung gebe. Daran könnten weder zurückgehende Zahlen noch ein hoher Altersdurchschnitt, ja nicht einmal das Sterben einzelner Gemeinschaften etwas ändern.

Tröstender wäre es eigentlich nur noch, die Symptome der Krise, den Nachwuchsmangel und die Überalterung, endlich auch als Symptome des Erfolges zu erkennen, eines Erfolges, den wir bis jetzt nur noch nicht richtig wahrnehmen konnten, weil viele Ordensberufene bereits geschafft haben, was in Würzburg nur angeraten war, die "Kluft" - und darunter könnte man durchaus auch schon Kleidung verstehen - zwischen "klösterlichem Eigenleben" und "neuzeitlicher Gesellschaft" zu überwinden, wenn auch zu dem Preis, die "Kluft" zugunsten der "neuzeitlichen Gesellschaft" ganz aufgehoben zu haben.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Alles Quatsch. Die reden sich was zusammen. Die Orden, besonders in unserem Heimatland, sind dem Verfall ausgeliefert worden. Wer jetzt noch meint, die Orden währen durch das Konzil in die Herzmitte der Kirche genommen worden, weiß gar nicht wovon er redet. Die Orden wurden und werden noch zerschlagen. Warum eigentlich? Sicher u. a. auch deswegen, weil man hierzulande alles, was man im Orden tun...kann, auch draußen machen darf..... Selbst Für-beten, Mit-leiden, Mit-büßen... alles verpönt. - Schauen wir uns nur mal in Südamerika um: die Orden kommen wieder, und zwar die ganz strengen Varianten. kommen wieder.

Tiberius hat gesagt…

Von "der Herzmitte der Kirche" zu sprechen finde ich schon apart. Davon kann sich keiner was kaufen.

Ich glaube fest daran, daß die Orden wiederkommen, vor allem die, die ein wirkliches Ordensleben haben.