Montag, 13. Juni 2011

Warum nicht den Pfingstmontag abschaffen?

Ostern, Weihnachten und Pfingsten sind die drei höchsten Feste der Kirche. Bis vor einigen Jahrzehnten hatte jedes dieser Feste eine Oktav, das heißt man feierte das Fest nicht einen Tag oder Sonntag, sondern, weil man es der Größe des Festgeheimnisses für angemessen hielt, feierte man ganze acht Tage am Stück. Früher als der Kirchenkalender mit seinen Festen auch die arbeitsfreien Tage des Lebens markierte, hatte man demnach zu Ostern, Weihnachten und Pfingsten acht Tage frei. Von diesen acht Tagen ist uns heute nur einer geblieben: der Ostermontag, der zweite Weihnachtsfeiertag und der Pfingstmontag.

Nun hat es Papst Paul VI. vor etwa vierzig Jahren gefallen, die Oktav des Pfingstfestes mit dem neuen Kalender abzuschaffen. Nur der Pfingstmontag ist geblieben. Sicher hat jeder den freien Tag irgendwie liebgewonnen, wenn er darin nicht das vorkonziliare Relikt erblickte, das er im Grunde ja immer noch ist. Da der Tag aber nur frei ist, weil er nach einem Hochfest liegt, spräche doch eigentlich nichts dagegen, ihn an ein anderes Hochfest - wie zum Beispiel Christi Himmelfahrt - dranzuhängen. Der Bundesbürger hätte den lang ersehnten Brückentag zwischen Wochenende und Vatertag und die Kirche einen weiteren Feiertag von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Das hielte ich persönlich für einen unglücklichen Ansatz – eher sollte die Pfingstsequenz wieder eingeführt werden, um so eine Verbindung zum Oktavtag des Dreifaltigkeitsfestes zu schaffen. So könnte die von Papst Benedikt gewünschte gegenseitige Befruchtung der verschiedenen Formen einen Ausdruck finden.

Darüber hinaus: erfahrungsgemäß führen solche Dinge wie Abschaffung eines Feiertags nur dazu, daß der Feiertag eben weg ist und sonst gar nichts. Theoretisch hat der Arbeitnehmer das Recht der unbezahlten Freistellung zur Teilnahme am Gottesdienst. Da wächst der Druck dann aber auch immer mehr, davon bittschön keinen Gebrauch zu machen.

Luxemburg hat auch noch Pfingstdienstag, ein pfingstliches Triduum.

Tiberius hat gesagt…

Die Einführung der Pfingstsequenz wäre in meinen Augen ein Schritt in die richtige Richtung. Doch auch diese würde aus dem Montag nach Pfingsten kein Hochfest der Kirche machen.

Die Bezeichnung Pfingstmontag bleibt ein Relikt aus der Zeit als Pfingsten noch acht Tage gefeiert wurde. In der Oktav gab es ja auch Pfingstmittwoch, -donnerstag, usw. Der "Pfingstmontag" ist, abgesehen davon, daß wir frei haben, heute ein ganz normaler Tag des Kirchenjahres.

Aus Arbeitnehmersicht verstehe ich natürlich die Bedenken "Was man hat, das hat man, was man kricht, das weiß man nicht", aber in meinen Augen kann das für Gewerkschaften, nicht aber für die Kirche ausschlaggebend sein.

Statt Pfingstmontag könnten wir in Berlin ja auch zu Fronleichnam frei haben - oder wir geben diesen Tag mangels Bedarf auf und lassen ihn einem neuen, tatsächlich bestehenden Anliegen widmen, wie zum Beispiel der Ökumene.

Dann hätten wir immer noch frei und alles wäre gut.

Braut des Lammes hat gesagt…

Hm - Einspruch, euer Ehren. Pfingstmontag ist da, wo er arbeitsfrei ist, also hier, ein gebotener Feiertag. Zumindest im Direktorium unseres EB ist Pfingstmontag kein normaler Tag des Kirchenjahres. Die liturgische Farbe ist explizit rot und es wird darauf verwiesen, daß sämtliche Lesungen des Pfingstsonntags auch zur Auswahl für den Montag stehen. Pfingstmontag hat zwei Lesungen, hochfesttypisch. Eigentlich hätte man (WiMRE, ich hab das nur beim Wegdrehen nach der zweiten Lesung flüchtig im Lektionar gesehen), die Pfingstsequenz nochmals singen können.

Oben sollte es natürlich heißen "zum Oktavtag, dem Dreifaltigkeitsfest". Den Pfingstmontag abzuschaffen, hieße meiner unmaßgeblichen Meinung nach, einen weiteren Schritt in die Richtung zu tun, die die Bedeutung dieses dritten großen Fest der Kirche herabstuft.

Just my 2 cents
(Fronleichnam und Dreikönig hätte ich natürlich trotzdem gern frei. Ich hätte gern das Württemberger Modell mit allem!)

Tiberius hat gesagt…

Das ist ja sehr interessant. Danke für den Hinweis. Da kennst Du Dich natürlich besser aus. Kann man das im Internet irgendwo einsehen? Ist in Berlin die Oktav dann doch nicht ganz abgeschafft? Was ist die Begründung für das Rot? Ein Traditionsrest? Mmh.

Braut des Lammes hat gesagt…

Einiges – etwa: Wo der Pfingstmontag als Feiertag begangen wird, stehen alle Perikopen des Pfingstsonntages, sowie die Perikopen zur Feier der Firmung (Votivmesse vom Heiligen Geist) zur Verfügung. Aus diesen Texten sind die Lesungen zusammengestellt.
geht hieraus (http://erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz.php?file=..%2Fpages%2Fschott%2Fosterzeit%2Fpfingsten%2FMontagA.htm) hervor – im Register gehört der Pfingstmontag zur Osterzeit.

Das Direktorium des EB Berlin ist leider nicht online: seit Jahren fragen wir uns, warum es nicht möglich ist, ein PDF davon zu machen und es ins Netz zu stellen? Jetzt liegt meines grad zu Hause, bei Interesse reiche ich die Rubriken für Pfingstmontag nach.