Montag, 15. Juni 2009

Theologien des Alten Testaments

In der Hoffnung, das Alte Testament etwas besser ausleuchten zu können, bin ich über Erhard S. Gerstenbergers "Theologien im Alten Testament" gestolpert. Gerstenberger ist Professor Emeritus für evangelische Theologie an der Universität Marburg. Das Buch stammt aus dem Jahr 2001.

Gerstenberger stellt fest, daß die Einheit des Gottesglaubens nur in der Perspektive liegen könne, aus der wir die Texte des Alten Testaments betrachten. Da ihm eine solche Perspektive nicht verfügbar oder vertretbar erscheint, spricht er lieber, ganz befreit, von den Theologien des Alten Testamtents.

"Die Mannigfaltigkeit der Theologien", preist Gerstenberger, "öffnet uns den Blick für andere Völker, Zeiten und Gottesvorstellungen, sie enthebt uns dem Zwang, ängstlich im Auf und Ab der Geschichte und der Theologien nach der einen, geschichtslosen, unwandelbaren, absolut verpflichtenden Vorstellung und Richtlinie zu suchen."

Gerstenberger sieht sich vor allem durch die Veränderung des zeitgeschichtlichen Kontextes herausgefordert. In der Bibel sei die Erde Mittelpunkt des Universums. Heute habe sich das Universum unendlich ausgedehnt und besitze keinen Mittelpunkt mehr. In der Bibel sei die Natur auf den Menschen hingeordnet. Heute hingegen werde sie vom Menschen ausgebeutet.

"Die Welt ist wahrhaftig eine andere geworden als zur Zeit der Bibel (obwohl es damals schon Umweltzerstörung gab)." Darum sei sie neu zu interpretieren, sei der Mensch neu zu definieren, würden die alten Texte im Dialog mit uns heute andere Aussagen machen als noch vor fünfzig Jahren, erst Recht vor 3000 Jahren.

"Der Mensch, der sich auf einer vom wilden Urmeer getragenen Erdscholle unter einem glockenartigen, von Gottheiten besetzten oder regierten Firmament vorzufinden glaubt, muß doch anders über das Ganze denken als ein Mensch, der sich auf einem undenkbar winzigen Stäubchen Erde, verloren in einer Galaxie namens Milchstraße, irgendwo am Rande eines unfaßbar ausgedehnten Universums weiß."

Leider kann ich schon zu Gerstenbergers Opus nicht mehr sagen. Ich habe es dann mal freundlich beiseite gelegt.

Kommentare:

Elsa Laska hat gesagt…

Da bist du jetzt aber echt mal grad selbst schuld ;-)

Tiberius hat gesagt…

Ja, das bin ich wohl. Hast Du einen guten Tip für mich?