Mittwoch, 29. Juni 2011

Pfarrer-Initiative, Häresie und Exkommunikation

Ich weiß natürlich, daß man mit dem Hinweis auf das Kirchenrecht nur mehr ein müdes Lächeln ernten kann - zumindest bei denen, die es betrifft. Der kürzlich erfolgte Aufruf der "Pfarrer-Initiative" in Österreich scheint mir jedoch geeignet, einen solchen Hinweis doch noch einmal anzuführen. Ich zitiere also aus zwei canones des Kirchenrechtes, zuvor jedoch aus dem Aufruf von etwa 300 österreichischen Pfarrern, die sich der "Pfarrer-Initiative" angeschlossen haben, und aus einem apostolischen Schreiben:

Aufruf der "Pfarrer-Initiative", 19. Juni 2011, Nr. 7: "... Wir werden deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. ..." Dem gegenüber das apostolische Schreiben Ordinatio Sacerdotalis Papst Johannes Pauls II., der schon am 22. Mai 1994 schreibt: "... Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, [...], daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben. ..."

Soweit zu den Schreiben, jetzt aber zum Kirchenrecht. Im Canon 751 heißt es: "Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer kraft göttlichen und katholischen Glaubens zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit; ..." Erstaunlich, nicht wahr? Wer hätte denn gedacht, daß schon der beharrliche Zweifel und nicht erst die Leugnung einer Glaubenswahrheit häretisch ist. Nun kann man sicher darüber streiten, wie beharrlich man eigentlich sein muß, um tatsächlich auch als beharrlich zu gelten. Ich finde aber, daß man den Verfechtern der Frauenordination zumindest eine gewisse Ausdauer nicht absprechen kann.

Was aber geschieht mit dem Häretiker? Dazu Canon 1364: "Der Apostat, der Häretiker oder der Schismatiker ziehen sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu, ...." Das scheint recht einfach zu sein, wie aber - und das ist für mich viel wichtiger - soll ich mich verhalten, wenn ich den begründeten Verdacht habe, daß mein Pfarrer oder gar mein Bischof sich die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen haben könnten? Kann ich die Sakramente dann noch guten Gewissens bei ihm empfangen? Die Sonntagspflicht bei ihm erfüllen?

Kommentare:

wrtlx hat gesagt…

Papst JPII hat aber eine deutliche Einschränkung gemacht
"...daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben"

Die Ungläubigen der Kirche sind hier nicht explizit erwähnt und davon machen sie reichlich Gebrauch.

.U. hat gesagt…

Formal gesehen wurde die Unfehlbarkeit nicht verwendet, darauf berufen sich die Anhänger der FO, sofern sie sich darum scheren.

Tiberius hat gesagt…

Was das Papst der Kirche zu halten vorgibt, hat die Kirche zu halten. Ich halte die ganze Diskussion um ein juristisches Scharmützel, das nur von dem eigentlichen Konflikt ablenkt.