Dienstag, 10. Mai 2011

Unsere Rückbildungsgruppe im Prenzlauer Berg

Meine Frau ist in ihrer Rück­bil­dungs­gruppe mit zehn Jahren Abstand die Jüngste - und die einzige, die ver­hei­ratet ist. Alle sind Erst­ge­bä­ren­de. Die anderen Damen haben ihren Berufs­ein­stieg hinter sich. Das Kind - und angesichts des fort­ge­schrittenen Al­ters darf man wohl damit rechnen, daß es Sin­gular bleiben wird - kam erst nach der beruf­lichen Be­wäh­rung: ein fast immer ge­wünsch­tes und oft auch hart er­ar­bei­te­tes Kind.

Um aus einer gut­si­tuier­ten end­dreiß­iger Frau noch ein Kind heraus­zu­be­kommen, scheuen keinen Aufwand Staat und Re­pro­duk­tions­me­di­zin. Es geht um Steu­er­zah­ler, Wäh­ler und Pro­fit. Der Frau kann das letzt­lich egal sein - sie hat das Kind - und mir kann es eigent­lich auch egal sein. Sie voll­endet sich durch das Kind zur Mutter und ich beobachte, wie sie, die end­lich alles hat, in der Hand ihres Kindes zur ner­vösen Über­mutter mutiert.

Gerade die Frauen, die das Mutter­sein oft über Jahrzehnte souverän zurück­drängten, scheinen dabei den Schalter am heftig­sten umzulegen. Ich finde das sehr skurril.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Barmherzigkeit – es sind, und ich meine das ohne Ironie, die Hormone, die irgendwann wirklich sehr machtvoll aufschreien. An sich ist der Trieb, sich zu vermehren, eben einer der beiden Mächtigsten.

jos.m.betle hat gesagt…

Sehr schön treffend formuliert.
Und:
Barmherzigkeit hat ihre Grenzen, wenn der Egoismus befindet, wann und wie und wo menschliches Leben entsteht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Josef, das glaube ich eigentlich nicht. Wenn Gottes Barmherzigkeit, die in der Menschwerdung Christi den tiefsten Ausdruck gefunden hat, so dächte, wo wären wir dann? Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht… singen wir jeden Tag im Magnificat.

Allein die Tatsache, daß jemand zu einem relativ späten Zeitpunkt Mutter wird, muß nicht heißen, daß dieser Wunsch oder dieses Handeln von Egoismus bestimmt ist.

jos.m.betle hat gesagt…

Ja, liebe Braut, Du hast Recht: Gottes Barmherzigkeit ist viel Größer als wir ahnen. Jedoch bin ich wirklich der Meinung, dass der Egoismus eine große Rolle spielt. Ich war 25 Jahre Vorgesetzter von überwiegend Frauen, ca. 50 an der Zahl, die natürlich immer eine Fluktuation mit sich gebracht hat. So habe ich im Laufe der Jahre gut 250 Mitarbeiterinnen gehabt, für die ich dienstlich Verantwortung tragen musste. Es gibt immer wieder menschen, die sich ganz einbringen und nicht fragen, was es sie kostet. Aber s gibt immer mehr Menschen, die nicht bereit sind, für andere da zu sein, wenn es Not tut. Die Menschen, die Frauen, wissen immer besser, sich durchzusetzen und ihren eigenen Willen mit einzubringen. Der Mensch soll Acht auf sich haben, ja, das ist heute wichtiger als früher. Egoismus kommt ins Spiel, wenn die jeweilige Lust, das selbst wollen, das sofort, den Menschen bestimmen. Freilich gebe ich unumwunden zu, dass ich hier nicht nur über Frauen schreibe. Männer sind mindestens genauso, und deren Verlangen beeinflüsst wiederum Frauen. Außerdem habe ich festgestellt, dass es ein unterschied gibt, ob Mann und Frau verheiratet sind und Kinder haben, oder ob sie unverheiratet zusammenleben o.ä. Verheiratete Menschen sind bei weitem sozialer eingestellt als unverheiratete. Und solche, die Kinder haben, um so mehr. - Gerade heute bedeutet Verantwortung tragen, auch Kinder zu bekommen und zu erziehen. Das geht nur in jungen Jahren. Ab einem gewissen Alter wächst die Kinderzahl nicht mehr.

Tiberius hat gesagt…

Ich freue mich für jede Frau, die ein Kind bekommt, und über Mütter, die ihre Kinder über alles lieben. Was Hormone anstellen können, habe ich selbst erlebt, wenn auch nicht am eigenen Leib. Das war nicht mein Punkt.

Mich interessieren die Gründe für das von mir beobachtete und besonders auffällige Verhalten von älteren Müttern gegenüber ihren Kindern. Genauer: die offenkundige Unfähigkeit, dem Kind Regeln und Grenzen zu bestimmen, eine fast hysterische Besorgheit gegenüber kleinsten Lebensäußerungen des Kindes und die vollständige Hingabe der eigenen Persönlichkeit unter die Bedürfniss des Kindes, was auch vermeintliche Bedürfnisse des Kindes mit einschließt.

In gewisser Weise bewundere ich es auch, wie man sich noch in diesem für Eltern fortgeschrittetenen Alter - ich selbst bin ja auch nicht mehr der Jüngste - ganz auf ein Kind einstellen kann. Mein Sohn hat mein Leben ganz schön umgekrempelt. Angefangen mit 6 Uhr aufstehen und 22 Uhr ins Bett gehen. Der Kleine ist um acht im Bett.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah so, verzeih, dann hatte ich den Schlußsatz bzw. den Bezug von "skurril" falsch verstanden.