Donnerstag, 7. Mai 2009

Ein Abend Hamlet und Orlando Paladino

Orlando Paladino hat morgen Premiere an der Staats­oper unter den Linden. Gestern ein­ge­laden, durfte ich die General­probe der Haydn Oper besuchen. Von mehrer­en Seiten vor­ge­warnt, waren von Beginn meine Erwartungen nicht hoch und - die Warnun­gen am Ende berech­tigt. Der Haupt­strang, soweit man ihn denn aus­machen konnte, ist folgender: Alle Protago­nisten der Oper glauben zu lieben, doch nur einer liebt wahr­haftig und muß daran wahn­sinnig werden: Orlando Paladino, der Ritter Roland, Paladin des großen Karl. Dieser hetzt die Verur­sacher seines Wahn­sinns mord­lustig durch die ganze Oper. Damit ist im Grunde alles gesagt. Mein Fazit nach der ersten Hälfte: Wenn man auf die leider unter­ent­wickel­te Rahmen­handlung ver­zich­tet und einige kurz­weilige Partien aus­wählt, dann reicht es sicher noch zu einem Liederabend. Ob dieser dann auch vor der Kulisse eines Tannen­waldes mit Schloß statt­finden muß, entscheide jeder selbst.

Am gleichen Abend, ich verließ die Oper zur Pause, wechselte ich über die Linden ans Maxim Gorki Theater. Es gab Hamlet, den ich durch­aus schätze. In einem Pulk von Schul­klassen be­gra­ben, verfolgte ich das Schau­spiel in der für Shakespeares Zeit authen­tischen Atmo­sphäre eines Jahr­marktes. Auf der Vorder­bühne wurde vor dem Eisernen gespielt. Der eingeschränkte Bewe­gungs­raum der Schau­spieler unter­band die Entwick­lung von Be­zieh­ungen. Zum Un­vermittel­ten gesellte sich das Auf­gesetzte, wie zum Beispiel Anklänge einer vermeintlichen Jugend- und Straßen­kultur mit ihrer Sprache und ihren Gesten. An manchen Stellen vermißte ich den Text der Vorlage. Von den Schauspielern habe ich trotz der Inszenierung einen guten Eindruck gewonnen. Einige Besucher verließen das Theater während der Vorstellung. Ich ging zur Pause.

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