Orlando Paladino hat morgen Premiere an der Staatsoper unter den Linden. Gestern eingeladen, durfte ich die Generalprobe der Haydn Oper besuchen. Von mehreren Seiten vorgewarnt, waren von Beginn meine Erwartungen nicht hoch und - die Warnungen am Ende berechtigt. Der Hauptstrang, soweit man ihn denn ausmachen konnte, ist folgender: Alle Protagonisten der Oper glauben zu lieben, doch nur einer liebt wahrhaftig und muß daran wahnsinnig werden: Orlando Paladino, der Ritter Roland, Paladin des großen Karl. Dieser hetzt die Verursacher seines Wahnsinns mordlustig durch die ganze Oper. Damit ist im Grunde alles gesagt. Mein Fazit nach der ersten Hälfte: Wenn man auf die leider unterentwickelte Rahmenhandlung verzichtet und einige kurzweilige Partien auswählt, dann reicht es sicher noch zu einem Liederabend. Ob dieser dann auch vor der Kulisse eines Tannenwaldes mit Schloß stattfinden muß, entscheide jeder selbst.
Am gleichen Abend, ich verließ die Oper zur Pause, wechselte ich über die Linden ans Maxim Gorki Theater. Es gab Hamlet, den ich durchaus schätze. In einem Pulk von Schulklassen begraben, verfolgte ich das Schauspiel in der für Shakespeares Zeit authentischen Atmosphäre eines Jahrmarktes. Auf der Vorderbühne wurde vor dem Eisernen gespielt. Der eingeschränkte Bewegungsraum der Schauspieler unterband die Entwicklung von Beziehungen. Zum Unvermittelten gesellte sich das Aufgesetzte, wie zum Beispiel Anklänge einer vermeintlichen Jugend- und Straßenkultur mit ihrer Sprache und ihren Gesten. An manchen Stellen vermißte ich den Text der Vorlage. Von den Schauspielern habe ich trotz der Inszenierung einen guten Eindruck gewonnen. Einige Besucher verließen das Theater während der Vorstellung. Ich ging zur Pause.
Donnerstag, 7. Mai 2009
Ein Abend Hamlet und Orlando Paladino
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