Donnerstag, 12. Mai 2011

Es durfte zwar weiter die lateinische Sprache ...

Am Freitag veröffentlicht der Vatikan die Bestimmungen zu Umsetzung des Motu Propriu Summorum Pontificum. Das Kölner Domradio berichtet. Um die Einordung dieses Vorgangs zu erleichtern, bringt das Radio auch eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: vom Trienter Konzil bis heute - zusammengestellt von der Katholischen Nachrichtenagentur.

Für die Jahre 1962 bis 1965 heißt es: "In Rom treffen sich die katholischen Bischöfe zum Zweiten Vatikanischen Konzil, das eine Modernisierung und Öffnung der Kirche gegenüber der Welt vollzieht. Konservative Kreise stehen den Reformen skeptisch bis ablehnend gegenüber. Auf Kritik stoßen etwa die ökumenischen Initiativen, die Erklärung zur Religionsfreiheit sowie die nach dem Konzil schrittweise eingeführte erneuerte Liturgie, die den tridentinischen Ritus ablöst. In ihm wird die Gemeinde stärker einbezogen und der Gottesdienst in der jeweiligen Landessprache gefeiert. Es darf zwar weiter die lateinische Sprache, jedoch nur der neue Ritus verwandt werden."

Ich halte diesen Abschnitt für mißverständlich bis irreführend. Die Liturgie wurde 1970 reformiert, von Paul VI. und nicht vom Konzil, auch wenn dieser Eindruck geweckt werden soll. Das Jahr 1970 taucht dann auch nicht mehr auf. Das die Gemeinde stärker einbezogen wird, halte ich jetzt mal für ein Gerücht. Die Formulierung "es dürfe zwar weiter die lateinische Sprache verwendet werden" scheint mir ebenso irreführend und wird den Vorgaben des Konzils nicht wirklich gerecht.

Nachdem man den Gläubigen vierzig Jahre etwas anderes erzählt hat, wäre es natürlich etwas peinlich, mit der Wahrheit einfach so rauszurücken: "Hey Leute, Latein ist, war und bleibt die Sprache der Kirche. Sorry, so hat es das Konzil gewollt. Schock. Landessprache ist nur zweite Wahl. Die alte Messe war nie verboten und, ach, bevor ich es vergesse: Der Choral gilt der Kirche nach wie vor als das non plus ultra der Kirchenmusik. Doppelschock. Notarzt. Krankenhaus."

Wahrscheinlich wollten uns Domradio und Katholische Nach­rich­ten­agen­tur nur schonen.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Dass im neuen Ritus die Gemeinde stärker mit einbezoben wird, ist allerdings ein Gerücht.

Wenn "Einbeziehung" nur das äußere Tun, Lesen, Singen, Mitsprechen meint, dann schon. Sobald "Einbeziehung" allerdings das betende Mittragen meint, ist der alte Ritus wahrscheinlich viel mehr "einbeziehend".

Tiberius hat gesagt…

Leider vollkommen unzumutbar: "das betende Mittragen". Man sieht doch nichts, man hört nichts und es passiert also auch nichts. Wer aber soll so ein Nichtstun über mehr als eine Stunde ertragen können?

jos.m.betle hat gesagt…

Aber genauso wird es in den katholischen Kirchen weiterverbreitet (verkündet): "das Konzil hat gemacht, getan, entschieden, gewollt...".
Wie oft habe ich mich angelegt mit den zuständigen Herrschaften, vom Liturgiekreis über die Geistlichkeit bis hin zum Ortsordinarius. Was es gebracht hat? Nerven und Gesundheit sind in schwer Mitleidenschaft geraten.

Sir Thomas Morus hat gesagt…

Gestern lief auf BR-alpha der erste Teil einer dreiteiligen Reihe über das 2. Vatikanische Konzil. Ich habe mir die Sendung nicht angeschaut, vermute aber, auch dort werden die üblichen Märchen erzählt. Der Titel läßt jedenfalls darauf schließen:
"Schleifung der Bastionen. Das Zweite Vatikanische Konzil".
Und der Titel der ersten Folge: "Kirche im Aufbruch".