Montag, 11. April 2011

Papst soll nicht vor dem Bundestag sprechen

Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, findet es nicht gut, daß Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag sprechen darf. Die katholische Kirche trete als Staat auf und das betrachte er als störend, denn, so Schneider laut "Focus", "die Kirche als staatliches Organ - daß geht gegen unser Bekenntnis".

Dazu kann ich nur sagen, ohne Zweifel gehört es zu den großen Leistungen des deutschen Protestantismus, sich mit der Stunde Null noch einmal neu erfunden zu haben und die Barmer Theologische Erklärung vom Mai 1934, auf die Schneider hier bezug nimmt, hat sicher erheblich dazu beigetragen.

Ich bin gespannt, wie man dort die Zeit vor ´45 würdigen wird, wenn wir bald 500 Jahre Reformation feiern.

Kommentare:

Imrahil hat gesagt…

Das steht doch in der BTE nicht einmal drin. In der BTE steht drin, daß sich die Kirche dem Weltstaat nicht unterwerfen darf. Da steht nicht drin, daß - für den Fall, daß es ein sichtbares Oberhaupt der Kirche geben sollte - dieses keinen diplomatischen Dienst geben sollte.

Als Katholik würde ich vielleicht sogar so weit gehen und aus dem Satz "Die Kirche ist dem Weltstaat nicht unterworfen" schon den anderen Satz "Die Kirche ist (auch) selbst ein unabhängiger Staat" syllogistisch zu folgern.

Tiberius hat gesagt…

Es ist natürlich albern. Die Kirche ist 1500 Jahre älter als jede Staatlichkeit und gilt zu recht als nicht-staatliches Völkerrechtsubjekt.

In der BTE heißt es ja: "Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden."

Offen bleibt hier, wann eine Aneignung staatlicher Art, staatlicher Aufgaben, usw. über ihren besonderen Auftrag hinaus gegeben ist. Der öffentlich-rechtliche Status der Kirchen in Deutschland überschreitet diese Grenze ja wohl nicht.

Auch scheint das skandinavische Staatskirchensystem, die innerprotestantische Ökumene nicht behindert zu haben. Vielleicht hören wir Schneider aber auch, wie er sich über dänische und norwegische Lutheraner beklagt.

Man kann es nicht wissen. Kulturkampf und Deutsche Christen lasse ich mal gleich außen vor.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Schneider ist der Repräsentant des deutschen Protestantismus und äußert sich entsprechend repräsentativ:
mittelmässig, kleinlich, provinziell, in großer Unkenntnis über die römisch-katholische Kirche und immer mit einem neidischen Unterton.

curioustraveller hat gesagt…

Ich schätze mal, das ist wie mit Alois Glück und dem Zentralkommitee: Ich bin auch Protestant, aber als Freikirchler werde ich nicht durch Schneider repräsentiert. Und dass die Kirche als staatliches Organ gegen das Bekenntnis der EKD geht (wo man sich allgemein überhaupt fragt, was Bekenntnisse da wert sind oder wozu man sich bekennt), nehme ich ihm erst ab, wenn er sich für die Abschaffung der Kirchensteuer einsetzt...

Tiberius hat gesagt…

Ich stimme Dir gerne zu, Curious Traveller! Mein Respekt vor evangelischen Freikirchen ist - auch deinetwegen - in den letzten Jahren stetig gestiegen. Von den Landeskirchen kann ich das leider nicht sagen.

.U. hat gesagt…

Man wird diese Zeit natürlich ignorieren, schließlich hat man sich entschuldigt und schließlich gab es ja Bonhoeffer und die Bekennende Kirche ...


@Tiberius: Der Hl. Stuhl ist das nichtsstaatl. Völkerrechtssubjekt.