Mittwoch, 9. Februar 2011

Unruhestifter und Friedensbrecher

Es ist schon ein paar Jahre her. Da saß ich auf dem Weg nach Hamburg in einem Großraumabteil der Deutschen Bahn. Auf der anderen Seite des Abteils machte sich ein Mann an eine junge Frau heran. Er hatte sich direkt neben sie gesetzt. Seine Annäherungsversuche waren sichtlich unangenehm. Immer wieder forderte er sie auf, ihn doch anzuschauen oder anzufassen. Das schien im ganzen Abteil, abgesehen von der jungen Frau, niemand zu stören. Die Frau wußte schon gar nicht mehr wo sie hingucken sollte und drückte sich immer näher ans Fenster. Ich stand also irgendwann auf und rief ihm durch das ganze Abteil zu, er möge die Frau bitte in Ruhe lassen oder ich würde rüberkommen und ihn umsetzen. Für den Fall, daß es wirklich nötig werden sollte, mit dem Herrn in Handgreiflichkeiten einzutreten, hatte ich gehofft, mit diesem öffentlichen Appell viele Unterstützer für mein Anliegen gewinnen zu können. Die Hoffnung blieb unerfüllt. Drei, vier Köpfe drehten sich zu mir um und ein paar Stimmen wurden laut, ich möge mich bitte setzen, nicht so laut sein, was solle der ganze Terz. Am Ende war es zum Glück nicht nötig, sich zu schlagen, aber bis heute sind mir die am liebsten geblieben, die, um der lieben Ruhe willen, jedes Unrecht ertragen können, wenn es nur ihren Mitmenschen angetan wird, und die sich nicht scheuen, diejenigen zu Unruhestiftern und Friedensbrechern zu erklären, die unüberhörbar werden, um dieses Unrecht abzuwehren. Wie mutig ist das denn?

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