Sonntag, 13. Februar 2011

Mainzer Propaganda für das Memorandum 2011

Heute aus Mainz in der Reihe "Sonntags. TV fürs Leben". Die Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar. Der Beitrag beginnt ab Minute 21:10:

Moderator: Es klingt fast wie ein Gag aus einer Satiresendung. Da taucht vor kurzem ein altes Papier aus dem Jahre 1970 auf in dem unter anderem ein weltbekannter Theologieprofessor das Zölibatsgesetz in Frage stellt und für eine Diskussion darüber plädiert. Aus diesem fortschrittlichen Saulus namens Joseph Ratzinger wurde inzwischen ein konservativer Paulus namens Papst Benedikt und der findet das, was sein alter ego früher mal gut fand, heute bedenklich. Doch wie der frühe Ratzinger haben in diesen Tagen rund 200 Theologieprofessoren und -professorinnen ein Memorandum unterzeichnet, in dem sie fordern, das Pflichtzölibat abzuschaffen. Die Unterzeichner fordern um der Kirche willen tiefgreifende Reformen, nicht nur das Ende des Pflichtzölibats, mehr Rechte für Frauen, die Beteiligung des Kirchenvolkes bei der Auswahl der Bischöfe, sowie ein Ende des moralischen Rigorismus.

Sprecher: Eberhard Schockenhoff, katholischer Priester, Professor für Moraltheologie in Freiburg. Er gilt als einer der Top-Theologen Deutschlands ist Mitglied im Deutschen Ethikrat, kämpft dort für die ethischen Prinzipien der katholischen Kirche. Er liebt seine Kirche. Doch sie muß sich verändern, ist er überzeugt. Deshalb hat er das Memorandum unterschrieben. Die Bischöfe hatten ja im Herbst zu einem breiten Dialog aufgerufen.

Schockenhoff: Wo Konflikte sind, wo miteinander gerungen wird, wo auch einmal gestritten wird, da ist immerhin ein gemeinsames Interesse an der Kirche und das ist auch ein Zeichen von Vitalität.

Sprecher: Als Seelsorger erfährt der 57jährige viel über die Sorgen in den Pfarreien. Wegen des Mißbrauchsskandals sind im letzen Jahr soviele Menschen aus der Kirche ausgetreten wie noch nie. Das beunruhigt auch Schockenhoff. Er galt lange Zeit eher als konservativ. Verteidigte stets den Kurs der Kirche.

Schockenhoff: Ich habe die Kirche als Freiraum erlebt und habe da auch viele Chancen gehabt, wo ich meine Fähigkeiten einbringen konnte. Das ist etwas, was ich erst in den letzten Jahren feststelle und wo ich auch meine eigene Wahrnehmung des kirchlichen Lebens, zu meinem Bedauern, habe korrigieren müssen. Das es tatsächlich die Atmosphere der Freiheit und des gegenseitigen Vertrauens, das man sich entgegenbringt, daß das mehr und mehr einer Atmosphere der Verdächtigung, in manchen Fällen auch der Einschüchterung gewichen ist - und das habe ich mir lange auch nicht eingestehen wollen.

Sprecher: Nun legt das Memorandum mit dem Titel "Ein notwendiger Aufbruch" auf dem Tisch. Sorgt für Diskussionen. Etwa die Forderung, die Gläubigen stärker zu beteiligen - bei der Auswahl von Pfarrern und Bischöfen. Oder das Anliegen der Professoren, die Kirche müsse persönliche Lebensentscheidungen respektieren. Menschen dürften nicht von den Sakramenten ausgeschlossen werden, wenn sie Liebe und Treue in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder als wiederverheiratete Geschiedene lebten.

Student von Schockenhoff: Daher war die erste Reaktion, zunächsteinmal, ich glaub´ ich kanns besser gar nicht ausdrücken als in diesem Begriff: Wow! Ein sehr erfreutes und gleichzeit überraschend auch.

Studentin von Schockenhoff: Ich hab das Gefühl, das es ganz stark polarisiert. Das es entweder, die Befürworter gibt, die voll und ganz dahinter stehen, und die kaum Kritikpunkte nennen, oder die, die es gar nicht befürworten.

Student von Schockenhoff: Also grundsätzlich habe ich jetzt von vielen auch positives Feedback bekommen und auch gehört, daß es längst überfällig war, daß die Professoren auch mal ihre Stimme erheben.

Sprecher: Die Professoren kritisieren, daß viele Bischöfe und der Papst starr am Pflichtzölibat festhalten.

Schockenhoff: Jetzt sind wir eben in den letzten Jahrzehnten, durch die Not des Priestermangels, in eine Situation geraten, wo das kompromisslose Festhalten am Zölibat der Seelsorge schadet. Weil man Seelsorge nur noch in Strukturen machen kann, die eine möglichst nahe Begleitung der Menschen an ihren Wohn- und Lebensorten nicht mehr zuläßt und das ist sowohl für die Gläubigen eine Not, als auch für die Priester eine große Belastung.

Sprecher: Den Unterzeichnern mangele es an Loyalität, so Kritiker des Memorandums. Das weist Schockenhoff zurück. Die Professoren stünden treu zur Kirche. Seien wie er in Pfarreien und Gruppen aktiv. Beim Blick in Schockenhoffs Gemeinde in Sölden bei Freiburg scheint auch nicht der Vorwurf zu gelten, das Memorandum spalte die Kirche.

Ältere Frau aus Schockenhoffs Gemeinde: Ob zwar ich mich mehr konservativ betrachte, bin ich trotzdem sehr für diese Sache.

Älterer Herr aus Schockenhoffs Gemeinde: Ich bin sehr froh, daß dieses Anliegen der kirchlichen Erneuerung, den notwendigen Reformen, mit dieser Wucht in die Öffentlichkeit gekommen ist.

Sprecher: Schockenhoff und seine Mitstreiter fühlen sich durch die ersten Reaktionen bestärkt, den Weg weiter zu gehen.

Schockenhoff: Ich bin sicher das die breite Unterstützung, die wir erfahren, und auch von vielen Organisationen aus dem Bereich der Kirche erfahren, das das auch allen in der Kirche deutlich macht, wie dringlich die Probleme sind.

Sprecher: Aufrütteln wollen die Theologen mit ihrem Memorandum. Sie hoffen jetzt auf einen offenen Dialog mit den Bischöfen.

Kommentare:

Sarah hat gesagt…

Was ist die Kirche eigentlich?

Tiberius hat gesagt…

Das ist wohl gar nicht so einfach zu beantworten ohne gleich vorkonziliär zu werden. In dem Fall hätte ich einfach gesagt: Sie ist der mystische Leib Christi.

Heute sprechen viele wohl eher von Struktur und Macht. Ich selbst spreche lieber von Person und Liebe.