Freitag, 11. Februar 2011

Kleine Frage zu Komplet und Stundengebet

Auf introibo.net habe ich die Komplet mit gregorianischen Melodien und deutscher Übersetzung gefunden. Das von der Petrusbruderschaft erstellte Büchlein ist dort als PDF-Datei abrufbar. Mir scheint das ganze sehr gelungen. Nun habe ich bislang keine Erfahrung mit dem Stundengebet der Kirche und hoffe, der ein oder andere Leser kann mir vielleicht ein paar Fragen beantworten, die sich nach erster Sichtung stellten.

Meine Absicht ist es, die Komplet regelmäßig selbst und auch in einer Gruppe von Laien zu beten. Schwierigkeiten macht mir vor allem die Zuordnung der verschiedenen Rollen. Der Chor ist klar. Soweit ich es verstanden habe, gibt es noch den Offizianten und den Lektor. Meine Fragen dazu: Kann ein Laie Offiziant sein? Sind der Offiziant und der Lektor notwendigerweise zwei verschiedene Personen? Ich bin für jeden Rat dankbar.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Ich kenne in erster Linie das Monastische Stundenbuch der Benediktiner herausgegeben von der Salzburger Äbtekonferenz 1980.

Im klösterlichen Gebrauch sind der Hebdomadar (hier wohl das Analogon zu Deinem Offizianten) und der Lektor Wochendienste, die vom Oberen vergeben werden. Die Dienste werden normalerweise an verschiedene Mönche vergeben, es kann aber im praktischen Vollzug dazu führen, daß beide Dienste von der selben Person geleistet werden, wenn durch Verhinderung der Anderen dies notwendig wird.

Der Offiziant sollte Priester oder Diakon sein soweit möglich, wenn keiner der genannten dem Gebet vorsteht, gibt es in meinem Stundenbuch anderen Formeln für zB die Entlassung:

kein Segen und Ite missa est

dafür

O: Divinum auxilium maneat semper nobiscum.
R: et cum fratribus absentis. Amen.
O: Fidelium animae per misericordiam Dei requiescant in pace.
R: Amen.

Ich vermute für das von Dir gesuchte dürfte vergleichbares gelten. Ich hoffe es hilft Dir weiter.

Herzliche Grüße
Marcus, der mit dem C

Braut des Lammes hat gesagt…

Ergänzend dazu. Der Hebdomadar kann natürlich Laie sein – in Frauengemeinschaften wird das Gebet von der Oberen geleitet, die reihum eine Hebdomadarin ernennt. Wo es "Euch" heißt, betet man "uns" (Es segne uns…, es erbarme sich unser…)

Tiberius hat gesagt…

Danke für Eure Erklärungen! Gerade die Frage des Segens lag mir am Herzen. Ich gehe jetzt mal davon aus, daß jeder Segenswunsch in der ersten Person Plural unverändert bleibt und alle anderen, wenn kein Priester oder Diakon am Gebet teilnimmt, dahingehend geändert werden.

Johannes hat gesagt…

Ich bete, oder besser singe, die Komplet jeden Abend mit meiner Frau. Dazu müssen die Texte etwas verändert werden, das von der Petrusbruderschaft herausgegebene Heft weist aber darauf hin. Zum Beispiel fängst Du nicht mit Jube, Domne benedicere, sondern mit Jube, domine benedicere an. Bei zwei Leuten übernimmt dann einer die Rolle des Lektors, Offizianten und Kantors, die Psalmen werden im Wechselgesang gesungen etc. Statt des Dominus vobiscum wird dann etwa das Domine exaudi orationem meam gesungen etc. Anleitungen findest Du in jedem Fall im Heft. Das kleine Heft gibt es gegen Spende auch gedruckt. Ich finde das Heft, bis auf ein paar kleine Druckfehler, ebenfalls sehr gelungen. Etwas vergleichbares gibt es auch bei Angeluspress, dem Verlag der Piusbruderschaft. Da auch noch zusätzlich mit der Prim, der Sext und der sonntäglichen Laudes und Vesper. Kann man in den USA bestellen.

Tiberius hat gesagt…

Danke, Johannes! Vor ein paar Tagen habe ich das gedruckte Exemplar der Petrusbruderschaft bekommen. Ich bin wirklich begeistert. Daß bei zwei Betenden einer die Teile des Offizianten, Lektors und Kantors übernimmt, werde ich auch so halten. Damit sollte auch unerfahreneren Sängern eine Teilnahme möglich werden.

Einige Stellen haben sich mir nicht sofort erschlossen. Jetzt habe ich es aber, glaube ich, mehr oder weniger geblickt.

Ich muß ehrlich gestehen, daß ich großen Respekt davor, die Komplet in Gemeinschaft mit anderen zu beten und dabei vielleicht sogar die Teile des Offizianten oder Vorsängers zu übernehmen. Nicht, weil es besonders schwer ist, sondern, weil es so groß ist, viel größer als ich. Es ist eine große Verantwortung, sich dem würdig zu erweisen.