Mittwoch, 8. Juli 2009
Dienstag, 30. Juni 2009
Das Singen der Kirche kommt aus der Liebe
"In der Bibel Israels haben wir bisher zwei Hauptmotivationen für das Singen vor Gott festgestellt: die Not und die Freude, die Drangsal und die Rettung. Die Gottesbeziehung war wohl zu stark von der Ehrfurcht vor der ewigen Macht des Schöpfers bestimmt, als daß man es gewagt hätte, die Lieder für den Herrn als Liebeslieder für ihn zu sehen, obwohl in dem Vertrauen, das alle Texte von innen her prägt, letztlich Liebe verborgen ist - aber sie bleibt scheu und eben verborgen. ... Das Singen der Kirche kommt letztlich aus der Liebe heraus: Sie ist es zuallertiefst, die das Singen schafft. ´Cantare amantis est´, sagt Augustinus: Singen ist die Sache der Liebe."
Montag, 29. Juni 2009
Das Herz schreit nicht, wenn es singt und betet
Einmal im Monat singe ich am Sonntagmittag in einer lateinischen Messe der neueren Form. Der Priester spricht die Orationen, die Präfation und den Canon in Latein am Hochaltar, die Lesungen und das Evangelium werden deutsch am Ambo gelesen. Da ich sonntags bereits in St. Afra singe und durchaus weiß, wie ich die verbleibenden Stunden des Tages noch herumbringen könnte, hatte der Gedanke, in einer zweiten Messe zu singen, nicht wirklich etwas Zwingendes für mich. Dennoch habe ich der Bitte gern entsprochen, in der Hoffnung, einem größeren Kreis von Gläubigen den Choral zugänglich zu machen und den kontemplativen Vollzug der Messe zu erleichtern.
Da der liturgische Kalender 1970 umgestellt wurde, profitierte ich gewöhnlich nicht von dem, was wir am Morgen in St. Afra schon gesungen hatten. Die eigenen Teile des Sonntags: Introitus, Graduale, Alleluia, Offertorium und Communio, übte ich also doppelt ein. Unsere Schola bestand aus drei, eher unerfahrenen Laien. Halbe Samstage und große Mühen kosteten die Proben. Mit einem Blick auf das Ideal der lateinischen Choralmesse nahmen wir Abstriche in Kauf, die unseren eigenen Fähigkeiten geschuldet schienen. Schnell stellte sich jedoch heraus, daß auch andere, vornehmlich "pastorale Gesichtspunkte" gegen das Ideal sprachen.
Anders als im Graduale Romanum vorgesehen, sollte schon die erste Messe nicht mit dem Introitus beginnen. Man möge doch, erklärte der Priester, gemeinsam ein schönes, deutsches Lied singen, damit die Gläubigen auch schön mitfeiern können und sich nicht von der Messe ausgeschlossen fühlen, vielleicht auch mal ein schönes, deutsches Lied zur Opferung. Er selber singe die deutschen Lieder auch so gern. - Der Choral hatte kaum Fuß gefaßt, da war er auch schon auf dem Rückzug. Zur dritten oder vierten Messe war das Proprium dann fällig. Ich bekam einen kurzen Hinweis, daß es nicht gewünscht sei. Ein Vertreter des Bistums, so munkelte man, hatte sich befremdet gezeigt: Messe auf Latein, ja, das sei ungewöhnlich, am Hochaltar, schwierig, mit Proprium, klar bedenklich.
Ein neuer, alter, pensionierter Organist des Bistums kam dazu, der - im Gegensatz zu seiner Vorgängerin - auch Orgel spielen kann. Zu meinem Leidwesen paart sich seine hörbare Vorliebe für laute Orgeln mit einem ebensolchen Unverständnis für das gesungene Ordinarium der Messe. Was kein Widerspruch ist. Denn ist die Lautstärke der Orgel schon nicht alles, wie wenig ist sie dem Choral. Aus vollem Herzen singen heißt in unseren Breiten - leider nur zu oft -, unbändige Luftströme durch die Kehle pressen, während unzählige Orgelregister darüber wachen, daß auch kein falscher Ton zu hören ist, obwohl doch das Herz, gerade wenn es vor Liebe überlaufen will, weder schreit noch brüllt.
Montag, 22. Juni 2009
Andacht beim Jagdgeschwader 73 "Steinhoff"

Am Samstag feierte das Jagdgeschwader 73 den fünfzigsten Jahrestag seiner Aufstellung. Ein Freund hatte mich eingeladen. Gefeiert wurde in Rostock/Laage. Wir trafen gegen Mittag ein. Die Feier begann mit einer Andacht. Der Pfarrer, nach einer herzlichen Einladung zum Mitsingen, sang sein erstes Lied - allein. "Kumbaya my Lord, kumbaya ...". Die Ansprache trug er wie ein Prediger vor. Vom Kommodore, der uns zum Geschwaderfest eingeladen habe, schlug er einen Bogen zu Gott, der den Menschen in sein Gnadenreich einlade. Das nächste Lied war dann auch "Amazing Grace". Im Übrigen: ein erneutes Solo des Pfarrers. Ich freute mich auf Sonntag.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Der Gott des Alten Testamentes
Heute, nach dem Blick in Otto Kaisers "Der Gott des Alten Testamentes", beschleichen mich ganz ökumenische Gefühle.
Der moderne Mensch, schreibt Kaiser treffend, wolle von der Theologie auf dem Feld der Religion und Sittlichkeit nicht überredet, sondern - wer hätte es gedacht - mit Gründen überzeugt werden. Die moderne Subjektivität stehe in der Spannung, aus sich selbst heraus sein zu wollen und es letztlich doch nicht zu können, weil sie weder über die ihr selbst vorgegebene eigene Existenz noch über deren natürliche Voraussetzung verfügt. Die Aufgabe der Theologie sei es, zu erweisen, "daß der Glaube an Gott als den Grund von Welt und Existenz die Subjektivität nicht knechtet, sondern von ihren Widersprüchen befreit und daher vollendet".
Die christliche Kirche - zumal in ihrer protestantischen Ausformung - besäße nur eine geringe Anziehungskraft, weil sie in dem Ruf stünde, keinen lebendigen Zugang zur Transzendenz zu vermitteln. Es gelänge ihr immer weniger, die in ihrer Tradition kristallisierte Erfahrung des Umgangs mit Gott, so zu vertreten, daß die Menschen durch ihre Riten und Reden die Welt und ihr Leben als von Gott gegeben, gehalten und gefordert erfahren. Die zweite Aufklärung habe nicht nur im Protestantismus, sondern zunehmend auch im Katholizismus dazu geführt, "den von der ersten Aufklärung bewahrten Glauben an die Unsterblichkeit der Seele als eine vermeintlich mit dem modernen Verständnis des Menschen als einer psychophysischen Ganzheit unvereinbare Vorstellung preiszugeben".
Wenn dem Vollzug der christlichen Riten und Reden gleichzeitig die Fähigkeit fehle, die Gegenwart Gottes als des Heiligen zu repräsentieren, dann bleibe das Eintreten des Gottesreiches eine - für den Nichttheologen - kaum nachvollziehbare Spekulation. Zwischen die Auferstehung Jesu und die Auferstehung des Christen schiebe sich ein eschatologisches Irgendwann, während "Jesus in einer hochkomplizierten Trinität verschwindet oder gar als Bruder Jesus seine Gottheit abstreift und von ihm nichts als ein Vorbild sozialen Verhaltens übrig bleibt". In diesem Fall werde aus der christlichen Erlösungsreligion ein platter Moralismus, der seine religiösen Züge einem postpubertären Rigorismus verdankt.
Gerade letzterer Gedanke drängte sich mir öfter auf, in den Wochen der Abstimmung über die Stellung des Religionsunterrichtes an Berliner Schulen. "Keine Werte ohne Gott", dröhnte es von den Plakaten. Als ob es um den Erhalt eines moralischen Institutes ginge, welches ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Konformität zu gewähren helfe.
Montag, 15. Juni 2009
Theologien des Alten Testaments
In der Hoffnung, das Alte Testament etwas besser ausleuchten zu können, bin ich über Erhard S. Gerstenbergers "Theologien im Alten Testament" gestolpert. Gerstenberger ist Professor Emeritus für evangelische Theologie an der Universität Marburg. Das Buch stammt aus dem Jahr 2001.
Gerstenberger stellt fest, daß die Einheit des Gottesglaubens nur in der Perspektive liegen könne, aus der wir die Texte des Alten Testaments betrachten. Da ihm eine solche Perspektive nicht verfügbar oder vertretbar erscheint, spricht er lieber, ganz befreit, von den Theologien des Alten Testamtents.
"Die Mannigfaltigkeit der Theologien", preist Gerstenberger, "öffnet uns den Blick für andere Völker, Zeiten und Gottesvorstellungen, sie enthebt uns dem Zwang, ängstlich im Auf und Ab der Geschichte und der Theologien nach der einen, geschichtslosen, unwandelbaren, absolut verpflichtenden Vorstellung und Richtlinie zu suchen."
Gerstenberger sieht sich vor allem durch die Veränderung des zeitgeschichtlichen Kontextes herausgefordert. In der Bibel sei die Erde Mittelpunkt des Universums. Heute habe sich das Universum unendlich ausgedehnt und besitze keinen Mittelpunkt mehr. In der Bibel sei die Natur auf den Menschen hingeordnet. Heute hingegen werde sie vom Menschen ausgebeutet.
"Die Welt ist wahrhaftig eine andere geworden als zur Zeit der Bibel (obwohl es damals schon Umweltzerstörung gab)." Darum sei sie neu zu interpretieren, sei der Mensch neu zu definieren, würden die alten Texte im Dialog mit uns heute andere Aussagen machen als noch vor fünfzig Jahren, erst Recht vor 3000 Jahren.
"Der Mensch, der sich auf einer vom wilden Urmeer getragenen Erdscholle unter einem glockenartigen, von Gottheiten besetzten oder regierten Firmament vorzufinden glaubt, muß doch anders über das Ganze denken als ein Mensch, der sich auf einem undenkbar winzigen Stäubchen Erde, verloren in einer Galaxie namens Milchstraße, irgendwo am Rande eines unfaßbar ausgedehnten Universums weiß."
Leider kann ich schon zu Gerstenbergers Opus nicht mehr sagen. Ich habe es dann mal freundlich beiseite gelegt.
Was willst Du hier, Elija?
"Was willst Du hier?", fragt Gott den Elija in der Höhle des Gottesberges. - Vierzig Tage und vierzig Nächte war Elija zum Horeb gepilgert. Er war müde. Ausgezehrt und kraftlos hatte er seine Reise durch die Wüste begonnen und auf dem Weg nur Wasser und Brot zu sich genommen. -
Sicher wäre es auch um andere Gott geweihte Orte öfter gut bestellt, wenn die Besucher dieser Orte, auf die gleiche Weise befragt, nicht weniger begehrten als es Elija tut oder aber in der Wüste pilgernd fasten müssten, bis sie erfahren, was dem Menschen Gottes Stärke ist.
Dienstag, 2. Juni 2009
Samstag, 23. Mai 2009
Anselm Grün erwartet gemeinsames Abendmahl
Die "Katholische Internationale Presseagentur" berichtet, Pater Anselm Grün habe sich für ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München ausgesprochen. "Wir hoffen, daß es dann so sein wird", äußerte er auf dem Evangelischen Kirchentag bei einem Konzert des protestantischen Liedermachers Clemens Bittlinger. Für diese Bemerkung habe er, wie die Agentur vermeldet, großen Beifall erhalten.
Die "Katholische Internationale Presseagentur" hat ihren Sitz in der Schweiz. Sie ist eine Partneragentur der Katholischen Nachrichtenagentur in Deutschland und der Kathpress in Österreich. Pater Anselm Grün ist Cellerar der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach. Neben einer umfangreichen Autorentätigkeit und vielen Vorträgen, kümmert er sich auch um die Betreuung von Geistlichen, die in eine Krise geraten sind.
Montag, 18. Mai 2009
Menschenfischer in pastoralen Suchprozessen
"Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!"
Mt 4, 19; Mk 1, 17.
„Ich weiß, dass die Begriffe Mission und missionarisch missverständlich und durch die Geschichte der Kirche belastet sind. Darum werbe ich für mein Verständnis dieser Worte: Wir befinden uns in einem pastoralen Suchprozess. Dessen Ziel muss es sein, dass die Kirche sozial, ethisch, ästhetisch und intellektuell bewohnbar bleibt oder wird.“
Bischof Gebhard Fürst
Singen und Notenlesen sind keine schwarze Kunst.
Gestern sang die Schola in kleiner Besetzung. Wir waren zu zweit, ohne Organist und Kantor. Der hatte sich nach Italien abgesetzt. Eine Stunde vor der Messe trafen wir uns, um gemeinsam das Proprium durchzusingen. Unter der Woche hatten wir jeder für sich geübt. Dazu bedurfte es - um dem Eindruck der Mühelosigkeit vorzubeugen - durchaus der ein oder anderen Stunde. Das Ordinarium muß dann so gehen. Schließlich singen wir an allen Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten die erste Messe, das Proprium aber nur an einem Sonntag.
Die Gemeinde singt in der Osterzeit vor der Messe das vidi aquam: "Ich sah Wasser fließen aus der rechten Seite des Tempels, Alleluia, und alle, zu denen es kam, wurden heil, und sie werden sagen: Alleluia, Alleluia. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig." Ein Text, der über das Buch Ezekiel auf die geöffnete Seite des Gekreuzigten und auf die Gnade der Taufe verweist. Eine, wie ich finde, wunderbare Verbindung von Wort, Sinn und Klang zum Gebet, mit einem Wort: Choral.
Daß die Gemeinde Teile des Chorals selber singt ist erst mit der Wiedereinführung des Chorals Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eingeführt worden. In seinem motu proprio Tra le sollecitudini erklärt Pius X., daß die Kirchenmusik das Ziel habe, die Gläubigen aus ihrem profanen Alltag näher an Gott zu führen. Notwendig seien Heiligkeit, Universalität und wahre Kunst. Im Choral fänden sich diese in höchstem Maße. Der Choral sei somit der der Kirche eigene Gesang. Auch die Gemeinde, erklärt der Heilige, solle den Choral singen, damit sich die Gläubigen - wen wundert es - wieder aktiver an der Messe beteiligen.
Der Priester stimmte also das vidi aquam an. Die Orgel setzte ein. Die Orgel spielte. Ich sang. Von der Empore hörte ich die Orgel - und mich. Wo war die Gemeinde? Ein Blick über die Brüstung. Alle waren noch da. Etwas mehr als hundert standen zwischen den Bänken. Die meisten hielten die Lippen geschlossen und sahen mit stoischer Ruhe auf das Geschehen im Altarraum, manche hielten sich an ihren Messbüchern fest.
Ich sang etwas lauter. Einige faßten Mut und fingen ebenfalls an zu singen, leider nicht mit uns, sondern zwei Töne hinter uns, zum Teil zwei Töne über uns. Die Orgel spielte weiter. Ich sang weiter. Die Gemeinde nahm Fahrt auf - und sang weiter hinterher. Da sich die Gemeinde nicht entschließen konnte aufzuschließen, ließen wir uns zurückfallen. Die Orgel wurde langsamer. Die Gemeinde wurde langsamer. Um zu hören, was die Gemeinde singt, sang ich leiser: der Gemeindegesang erstarb.
Ich sang etwas lauter. Einige faßten Mut und fingen ebenfalls an zu singen, leider nicht mit uns, sondern zwei Töne hinter uns, zum Teil zwei Töne über uns. Die Orgel spielte weiter. Ich sang weiter. Die Gemeinde nahm Fahrt auf - und sang weiter hinterher. Da sich die Gemeinde nicht entschließen konnte aufzuschließen, ließen wir uns zurückfallen. Die Orgel wurde langsamer. Die Gemeinde wurde langsamer. Um zu hören, was die Gemeinde singt, sang ich leiser: der Gemeindegesang erstarb.
Ich sang etwas lauter ... Heiliger Pius, bitte für uns, ...
Die heilige Messe: Verstehen ist besser als Freibier.
Hochwürden Johannes Maria Schwarz: "Langeweile ist für viele - nicht nur Gelegenheits-Kirchgänger - ein mühsamer Begleiter des sonntäglichen Gottesdienstes. Selbst mit Ablenkungen wie dem Betrachten der Schuhe des Banknachbarn, dem Zählen der Engelsköpfe oder Steinfliesen lässt sich die Zeit in der Kirchbank nur leidsam überbrücken. Dass Verstehen noch besser als Freibier ist, versucht diese DVD nachzuweisen. Das Ergebnis: Eine humor- und vor allem theologisch gehaltvolle Einführung zu Wesen und Ablauf der Heiligen Messe. Nicht nur der Kirchenmuffel kann von diesen Ausführungen profitieren."
Die DVD läßt sich unter www.diemesse.org vorbestellen.
via David Ianni.
Samstag, 9. Mai 2009
Begegnung mit einem Hecht auf Augenhöhe
Der Hecht heute schien genauso überrascht wie ich. Wir begegneten uns auf einer Seegraswiese, im Groß Glienicker See, vier Meter unter der Wasseroberfläche. Er gab sich etwas lässig, so gut wie er austariert war. Wäre ich mit einer Schwimmblase und Kiemen geboren worden, ich hätte es ihm sicher nachgetan. In meiner ersten Tauchstunde war ich jedoch schon froh, unter Wasser atmen zu können.
Freitag, 8. Mai 2009
Donnerstag, 7. Mai 2009
Ein Abend Hamlet und Orlando Paladino
Orlando Paladino hat morgen Premiere an der Staatsoper unter den Linden. Gestern eingeladen, durfte ich die Generalprobe der Haydn Oper besuchen. Von mehreren Seiten vorgewarnt, waren von Beginn meine Erwartungen nicht hoch und - die Warnungen am Ende berechtigt. Der Hauptstrang, soweit man ihn denn ausmachen konnte, ist folgender: Alle Protagonisten der Oper glauben zu lieben, doch nur einer liebt wahrhaftig und muß daran wahnsinnig werden: Orlando Paladino, der Ritter Roland, Paladin des großen Karl. Dieser hetzt die Verursacher seines Wahnsinns mordlustig durch die ganze Oper. Damit ist im Grunde alles gesagt. Mein Fazit nach der ersten Hälfte: Wenn man auf die leider unterentwickelte Rahmenhandlung verzichtet und einige kurzweilige Partien auswählt, dann reicht es sicher noch zu einem Liederabend. Ob dieser dann auch vor der Kulisse eines Tannenwaldes mit Schloß stattfinden muß, entscheide jeder selbst.
Am gleichen Abend, ich verließ die Oper zur Pause, wechselte ich über die Linden ans Maxim Gorki Theater. Es gab Hamlet, den ich durchaus schätze. In einem Pulk von Schulklassen begraben, verfolgte ich das Schauspiel in der für Shakespeares Zeit authentischen Atmosphäre eines Jahrmarktes. Auf der Vorderbühne wurde vor dem Eisernen gespielt. Der eingeschränkte Bewegungsraum der Schauspieler unterband die Entwicklung von Beziehungen. Zum Unvermittelten gesellte sich das Aufgesetzte, wie zum Beispiel Anklänge einer vermeintlichen Jugend- und Straßenkultur mit ihrer Sprache und ihren Gesten. An manchen Stellen vermißte ich den Text der Vorlage. Von den Schauspielern habe ich trotz der Inszenierung einen guten Eindruck gewonnen. Einige Besucher verließen das Theater während der Vorstellung. Ich ging zur Pause.







